đŸ‘‹đŸœ 🇹🇭 Hallo Nachbarn! | Wie leben Familien in der Schweiz? đŸ”

Zwei Bloggerfamilien im Reka Feriendorf UrnÀsch

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Vor gut einer Woche waren wir im Schweizer Appenzell. Der schweizerische Ferienanbieter Reka hat uns eingeladen, das Feriendorf in UrnĂ€sch zu testen. Aber nicht nur das: Bei unserem Mini-Urlaub sollte es auch darum gehen, unsere direkten Nachbarn – die Schweizer – besser kennenzulernen und uns mit einer Blogger-Familie von dort auszutauschen. Wir sollten mehr erfahren, als dass die Schweizer gute Uhren, himmlische Schokolade und köstlichen KĂ€se zu ihren KulturgĂŒtern zĂ€hlen. Eine tolle Idee, wie wir fanden und so blickten wir gespannt auf das Treffen mit Die Angelones. Denn mal ganz ehrlich: Das Land ist unser direkter Nachbar, aber was wissen wir ĂŒber die Schweizer ĂŒberhaupt und welche Vorstellungen haben sie von Deutschland?

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Der Blick ĂŒber den Fensterbank-rand: Noam schaut aus dem Schlafzimmer unserer Wohnung im Reka Feriendorf UrnĂ€sch auf die Berge. Sieht das nicht idyllisch aus?

Die Schweizer und wir

Wie ihr ja vielleicht schon mitbekommen habt, haben wir sogar einen direkten Bezug zu der Schweiz: Daniels Mutter hat vor vielen Jahren einen Schweizer geheiratet und so kommt es, dass seine Schwestern Schweizerinnen sind. Daniel hat mit seiner Familie ein paar Jahre noch dort gelebt. Ich kenne also schon ein paar Schweizer, aber die GesprĂ€che innerhalb der Familie sind natĂŒrlich anders als mit MĂŒttern und VĂ€tern, wie Rita und Daniel (Ja, der heisst auch Daniel) von die Angelones, die selbst noch relativ junge Kinder haben, oder zumindest noch nachvollziehen können, wie es so mit einem Kleinkind ist.

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Ein Schild am Eingang heißt die Besucher des Reka Feriendorfs in UrnĂ€sch herzlich willkommen.

Ein paar Fakten ĂŒber die Schweiz

Um die Schweizer besser einschĂ€tzen zu können, lasst uns zuerst einen Blick auf ein paar Fakten werfen, die fĂŒr das Kennenlernen nicht ganz unerheblich sind.

  • In dem kleinen Land mit den großen Bergen leben etwa 8,3 Millionen Einwohner, von denen ca. 2 Millionen kein Schweizer BĂŒrgerrecht ( Bezeichnung fĂŒr StaatsbĂŒrgerschaft) besitzen, also nicht wĂ€hlen dĂŒrfen.
  • Dabei ist WĂ€hlen eine große Sache in der Schweiz, denn laut den Angelones wird dort stĂ€ndig ĂŒber etwas abgestimmt. Dies liegt daran, dass die Schweiz eine direkte Demokratie ist, in der die Menschen ĂŒber Initiativen und Referenden direkten Einfluss auf die RegierungstĂ€tigkeit nehmen.
  • Hinzu kommt, dass es 26 Kantone gibt, die alle selbstverwaltet sind und somit viel Raum fĂŒr eigene Entscheidungen bleibt.
  • Frauen haben erst seit 1971! ein Wahl- und Stimmrecht 😭
  • In der Schweiz gibt es vier offizielle Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und RĂ€toromanisch
  • Im deutschsprachigen Raum sprechen die Menschen Schweizerdeutsch, schreiben allerdings Hochdeutsch
  • Seit 1907 ist die Schweiz als politisch neutraler Staat anerkannt, was nicht ganz unumstritten ist und ihr eine spezielle Rolle innerhalb Europas verleiht
  • In Sachen Sauberkeit wird die Schweiz weltweit nur von Island getoppt. Und das merkt man! Sogar die wunderschönen, alten Bauernhöfe sind pikobello sauber und wirken wie im Miniatur Wunderland.

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    Junge beim traditionellen Alpabstieg in UrnÀsch/ Appenzell

Aber wie sind die Schweizer?

Als wir gerade im Reka Feriendorf in UrnĂ€sch angekommen waren, hatte ich ein bezeichnendes Erlebnis: Noam saß auf einer Schaukel hinter der sich das Wohnzimmerfenster einer Ferienwohnung befand, aus dem zwei kleine Jungs herausguckten. Wir alberten mit den beiden herum und die drei Kinder hatten einen großen Spaß. Allerdings nicht lang, denn schon bald kam der Papa der beiden und zog wortlos – ohne ein kurzes Hallo – zuerst die Gardine und dann sogar die Jalousien zu.

Als ich Rita und Daniel dies beim spĂ€teren Abendessen in der örtlichen Pizzeria erzĂ€hlte, waren sie nicht verwundert. Schweizer sind gern unter sich. Wie ich es auch schon bei meinen vorherigen Besuchen in der Schweiz vermutet hatte, öffnen sie sich Fremden nicht ohne Weiteres. Es braucht eine Weile, bis man an sie herankommt, aber da sind sie uns Norddeutschen ja nicht ganz unĂ€hnlich 😉.

Zwei Bloggerfamilien im Reka Feriendorf UrnĂ€schUnser Austausch mit den Angelones war da allerdings ganz anders. Sie sind – wie viele Menschen aus dem schönen, internationalen ZĂŒrich – superoffen und sehr herzlich. Es hat uns große Freude gemacht, uns mit ihnen in der malerischen Appenzeller Bergwelt auszutauschen. Ihre Jungs sind zwar schon neun und elf, aber besonders der kleine hat sich Noam angenommen und mit ihm gespielt und den Ziegenstall unsicher gemacht. Wenn ihr mögt, schaut doch mal bei Ritas Bericht ĂŒber den Deutsch-Schweizerischen Austausch vorbei und lest dort auch meine Antworten auf ihre Fragen.

Und was sagen die Schweizer selbst?

Susanna: Wie gut kennst du Deutschland? Warst du schon zu Besuch da? 

Rita: Leider kenne ich Deutschland nicht wirklich gut… Ich war zwar schon ein paar Mal kurz zu Besuch, aber nie ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum. Ich kenne Stuttgart, Freiburg i.B. oder aber auch Konstanz. Das sind die grenznahen StĂ€dte, die ich gerne und in regelmĂ€ssigen AbstĂ€nden immer wieder mit meinem Mann besuche, um ein verlĂ€ngertes, kinderloses Weekend zu verbringen. Nahe genug zur Schweiz, fĂŒr den Fall, dass wir wegen der Kinder notfallmĂ€ssig wieder nach Hause reisen mĂŒssten…. 🙂 Mit den Kindern waren wir vor vier Jahren ein paar Tage im AllgĂ€u und haben dann auch Kempten und Lindau besucht.

Diesen FrĂŒhling haben wir fĂŒr fĂŒnf Tage MĂŒnchen besucht. Das hat uns allen sehr gefallen und eigentlich wollten wir diesen Sommer Hamburg besuchen. Doch leider gab es einen familiĂ€ren Zwischenfall, durch den wir haben die Reise in den Norden erstmal vertagen mussten. Dani war zudem  schon in Berlin und in Frankfurt a.M, abber viel mehr hat auch er noch nicht gesehen.

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Susanna: Welche „Vorurteile oder MĂ€rchen“ gibt es in in der Schweiz ĂŒber Deutschland in Bezug auf das Familienleben? Welchen Ruf hat Deutschland bei schweizer Familien?

Ich kann ja nicht fĂŒr alle Schweizer reden. Aber ich denke, dass wir Schweizer uns euch Deutschen doch sehr Ă€hnlich fĂŒhlen bzw. wir glauben, dass das Familienleben in Deutschland wohl ziemlich Ă€hnlich ist, wie hier in der Schweiz. Ausser natĂŒrlich, dass ihr weiter seid in Sachen Elternzeit 😀. Wir denken, dass es auch bei euch ziemlich große Unterschiede gibt zwischen Stadt und Land in Bezug auf Kitas z.B. Und wenn wir das politische Geschehen so verfolgen, denken wir, dass ihr Ă€hnliche Migrationsprobleme an Schulen haben könntet wie grössere StĂ€dte hier in der Schweiz.

Deutschland ist fĂŒr uns Schweizer ein tolles „Ferienland“, weil es nahe ist und wir die gleiche Sprache sprechen und auch die KĂŒche nicht eine total andere ist. Wir waren einfach bisher nicht so oft bei euch zu Besuch, weil wir oftmals unsere Ferien in Italien 🇼đŸ‡č verbringen – meine Wurzeln liegen ja da.

Susanna: Was gefĂ€llt dir an Deutschland bzw. was „denkst“ du, könnte dir in Deutschland gut gefallen, wenn du mit deiner Familie hier leben wĂŒrdest?

Rita: WĂŒrde ich mit meiner Familie in Deutschland leben, wĂ€re ich superfroh, dass meine Kinder die Sprache perfekt erlernen könnten. Wir Schweizer haben ja immer ein bisschen den Komplex, dass wir nicht gut genug Hochdeutsch sprechen können… und wir beneiden euch um euer Deutsch! Ansonsten wĂŒrde mir – wie oben schon gesagt – wohl dasselbe gefallen wie hier in der Schweiz: ein gewisser Wohlstand, eine bekannte Kultur, ein gutes Bildungssystem, eine Grundsicherheit. Und was auch toll ist: Deutschland ist gross, man kann innerhalb von Deutschland so weit reisen und ist immer noch im eigenen Land!

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Da bin ich doch wirklich erstaunt: Die Schweizer beneiden uns um unsere Hochdeutsch!

Susanna: Was wĂŒrdest du in einem solchen Fall wohl aus der Schweiz vermissen? Weshalb bist du froh, mit deiner Familie in der Schweiz zu leben?

Rita: Wenn man hier in der Schweiz aufgewachsen ist, dann ist es einfach so, dass einem die Berge fehlen 🏔. Auch wenn es bisweilen etwas „eng“ werden kann. Wenn ich ĂŒber eine lĂ€ngere Zeit keine Berge um mich herum spĂŒre, so fĂŒhle ich mich ein bisschen verloren. Berge sind fĂŒr mich Kraftorte, ohne die wĂŒrde wirklich eine Energiequelle fehlen.

Da die Schweiz so klein ist, kann man innerhalb kĂŒrzester Zeit immer wieder eine neue Kulisse erleben: Man kann in die Berge, aber man kann auch zu den Palmen ins Tessin fahren. Man kann in die Westschweiz fahren und ist alleine wegen der Sprache schon fast in Frankreich. Das ist schon auch toll an der Schweiz -gerade mit Kindern. Und auch wenn es etwas „bĂŒnzlig“ (bieder) wirkt: Es funktioniert vieles einfach sehr gut. Ordnung, PĂŒnktlichkeit ⏰ – all diese Klischees der Schweiz, sie sind schon angenehm… das vermissen wir dann andernorts schon ein wenig, auch wenn wir uns aber ĂŒberall sehr wohl fĂŒhlen, weil wir offen sind.

Susanna: Gibt es staatliche UnterstĂŒtzung, wie etwa Elterngeld fĂŒr junge Familien?

Rita: Die Schweiz kennt den Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen – mehr nicht! Im GesprĂ€ch ist jetzt die EinfĂŒhrung eines Vaterschaftsurlaubs. Immerhin. Aber ja, die Schweiz ist in Sachen familienfreundliche Strukturen ausbaufĂ€hig – dem können wir nichts hinzufĂŒgen.

Susanna: Habt ihr eine gute Versorgung was KindergĂ€rten angeht? Oder wĂŒrdest du dir da etwas anders wĂŒnschen?

Rita: Unsere Jungs sind zwar lĂ€ngst aus dem Kindergartenalter raus… aber ja, wir haben eine gute Versorgung. Immer noch. Doch die Stadt ZĂŒrich wĂ€chst und das spĂŒren nicht nur Schulen und KindergĂ€rten. Überall mĂŒssen neue PlĂ€tze geschaffen werden und das Angebot hinkt jetzt ein bisschen hinterher. Dies könnte sich in Zukunft verschĂ€rfen. Aber auch wenn in ZĂŒrich zum Teil neue KindergĂ€rten in sogenannten „Pavillons“ eröffnet werden mĂŒssen, weil es pressiert und kein eigentlicher Neubau möglich ist, so wĂ€re das ein Klagen auf einem sehr hohen Niveau. Diese Pavillons stellen Strukturen dar, in denen Kinder ganz normal und sehr gut versorgt den Kindergarten oder die Schule besuchen können.

 

 

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MĂ€nner, die auf Pferde starren: Zwei Danis und Mini-Pony Max unter sich.

Susanna: Was denkst du ĂŒber euer Schulsystem?

Rita: Ich denke ganz allgemein, dass die Anforderungen an die Kinder höher sind als zu meiner Zeit. Wenn ich verfolge, was unsere Jungs in der 4. und 5. Klasse machen, dann staune ich, weil wir damals vieles erst um einiges spĂ€ter lernen mussten. Ein Beispiel: In der zweiten Klasse starten sie mit Englisch, in der 5. kommt Französisch dazu. Wir lernten erst nach der Primarschulzeit Fremdsprachen … .

Das Bildungssystem in der Schweiz liegt aufgrund des Föderalismus vorwiegend in der Verantwortung der Kantone und Gemeinden. Nur in Teilen ist die Verantwortung beim Bund. Das fĂŒhrt dazu, dass Kinder, die zwar nahe voneinander leben, aber durch eine Kantonsgrenze getrennt sind, andere SchulplĂ€ne, andere FerienplĂ€ne etc. haben. Mit dem Lehrplan 21 will man nun schrittweise die Angleichung der Systeme erreichen.

Susanna: Gibt es etwas, bei dem du dir in der Schweiz eine VerĂ€nderung wĂŒnschst?

Rita: Ich möchte ganz bewusst, keine politischen Diskussionen auslösen, weil man hierfĂŒr mehr Zeit brĂ€uchte. Wenn ich mich fĂŒr eine Sache entscheiden mĂŒsste, die ich anders wĂŒnschte, so wĂ€re es, dass die Schweiz etwas offener gegenĂŒber anderen Kulturen wĂ€re. Aber das ist jetzt wieder so allgemein gesagt auch ziemlich heikel. Denn viele Schweizer bzw. immer mehr junge Schweizer – gerade in StĂ€dten – sind sehr offen. Doch insgesamt werden wir anders wahrgenommen. Das finde ich schade.

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Ich hĂ€tte mit Rita noch stundenlang weiterreden können, doch uns rief der Berg – im wahrsten Sinnes des Wortes. Wir werden aber bestimmt wieder die Gelegenheit haben, uns mit der schweizer Familie auszutauschen. Es ist schon abgemacht, dass sie sich melden, wenn sie einen Trip nach Hamburg planen. Umgekehrt werden wir dies natĂŒrlich auch tun, denn die Angelones sind eine wirklich tolle schweizer Familie und uns gar nicht mal so unĂ€hnlich.

Und ihr? habt ihr Verbindungen zur Schweiz? Wart ihr schon einmal da oder habt Freunde aus der Schweiz? ErzÀhlt doch mal.

In meinem nĂ€chsten Artikel werde ich euch ĂŒbrigens noch mehr ĂŒber das Reka Feriendorf UrnĂ€sch und unsere AusfllĂŒge im Appenzeller Land erzĂ€hlen.

Uf Wiederluege mitenand, Susanna đŸ‘‹đŸœ

Dieser Artikel ist in herzlicher Kooperation mit Reka entstanden.